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Stadt setzt auf Heißwasser statt chemischer Keule

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Unkraut vergeht nicht. Dafür sorgen unzählige Wildpflanzen durchaus erfolgreich seit Jahrtausenden selbst. Damit das aber auch im öffentlichen Bewusstsein seinen Niederschlag findet, wurde in den USA Bahnbrechendes „erfunden“ und in Teilen Europas übernommen: Der 28. März ist seit 2003 „Tag des Unkrauts“.

Die Grünpfleger im Jülicher Bauhof-Team von Markus Danz könnten angesichts der Mengen im Jülicher Stadtgebiet eigentlich jeden Tag so „feiern“ – sie stehen aber vor einer ganz anderen Herausforderung. Der Einsatz der chemischen Keule – Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat – ist ab 2015 in Nordrhein-Westfalen auf versiegelten Flächen verboten. Das gilt für Privatpersonen wie für Kommunen.

Nur mit diesen Mitteln aber war den Kräutern auf Pflastern, Wegen und Plätzen halbwegs Herr zu werden. „Wir haben ja riesige Flächen“, sagt Markus Danz. Eine Alternative wäre die rein mechanische Entfernung mit Hacke, Harke und Händen, aber dafür „ist die Manpower nicht vorhanden“.

Was also tun? Die vermeintlichen „Hausmittel“ wie Essig, Essigessenz, Spülmittel oder Salz sind ebenfalls strikt verboten. Das erklärte vor Wochen Experte Theo Höfgen aus Neuss im Jülicher Rathaus. Bei einem ungenehmigten Einsatz sind saftige Bußgelder zu erwarten. Höfgen hatte im Rathaus aber auch einen Ausweg parat: heißen Dampf oder heißes Wasser. Und weil sich das nicht wissenschaftlich genug anhört, gibt es dafür einen passenden Fachbegriff: thermische Wildkrautbekämpfung.

Höfgen hat einen Favoriten: Der Dampf sei nun mal flüchtig und könne nur oberflächlich eingesetzt werden, heißes Wasser hingegen lasse sich punktgenau auch an den Wurzeln einsetzen. Die bisherigen Erfahrungen belegen nach Expertenansicht, dass mit entsprechendem Gerät die Unkräuter nach zwei- bis viermaliger „Behandlung“ endgültig verschwinden. Das wäre wohl die terminale Wildkrautbekämpfung. Die Gerätschaften bestehen aus Heißwassererzeugern und -behältern sowie Pumpen und dünnen Sonden, die in die Fugen eingestochen werden.

Das Verfahren hat im Jülicher Bauhof überzeugt und fand auch im Fachausschuss vor Wochen Zustimmung. Die Heißwasser-Behandlung ist allerdings nicht billig. Bauhofleiter Markus Danz im Gespräch mit der Redaktion: „Die passenden Geräteträger haben wir. Aber das kostet dann immer noch 60000 bis 70000 Euro. Es ist allerdings günstiger, als neue Leute einzustellen.“ Danz wird einen Vorschlag erarbeiten, der bei den Haushaltsberatungen berücksichtigt werden müsste.

Eine Spritzmittel-Alternative gibt es: Pelargon-Säure. Der Wirkstoff kommt in Geranien vor. Der Einsatz sei aus Kostengründen aber nur auf Kleinflächen sinnvoll, lautet die Einschätzung der Stadtverwaltung. „Und das wirkt lange nicht so nachhaltig wie andere Mittel“, weiß Markus Danz. Bei „wüchsigem Wetter“ wie in weiten Teilen 2014 mit Wärme und Feuchtigkeit wäre das nicht effizient.

Wenn die Finanzpolitiker und die Stadtverordneten der Anschaffung zustimmen, rücken die Leute vom Bauhof dem Unkraut auf Jülicher Plätzen und Wegen künftig mit Heißwasser-Lanzen zu Leibe. Temperaturen knapp unter 50 Grad reichten aus, „um die Proteine zum Platzen zu bringen“, erklärte Theo Höfgen.

Ursächlich für alle Überlegungen, die nicht nur die Stadt Jülich betreffen, ist ein Erlass des NRW-Umweltministeriums. Glyphosat ist ein Wasserschadstoff und steht im Verdacht, auch den Menschen zu schädigen. Es soll krebserregend wirken, was allerdings noch nicht bestätigt ist. Solange das mögliche gesundheitliche Risikopotenzial von Glyphosat nicht abzuschätzen ist, soll auf die Verwendung verzichtet werden. Ein generelles Verbot gibt es nicht. Landwirte dürfen auf das Mittel zurückgreifen, müssen aber gewährleisten, dass es nicht ins Wasser gelangt.